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Drucksache
Segensreicher Start ins neue Jahr
Drei komische Typen hinterlassen Kreide-Graffiti an Haustüren.
Text: Dieter Druck,
13. Januar 2012
Das darf nicht wahr sein! Unvermittelt tauchten sie an der Tür auf. Meine drei langjährigen Freunde, angeblich aus dem Morgenland kommend, waren am Dreikönigstag wieder unterwegs, um uns und dem umgebenden Gemäuer den Segen auszusprechen. Aber mit dem mystischen Flair der Schilderungen aus dem Matthäus-Evangelium hatte ihr Auftritt wenig zu tun. Ich beobachtete am späten Nachmittag, wie die drei kirchlich vereidigten Handelsreisenden keine 100 Meter vor unserem Haus standes- und zeitgemäß einem schwarzen Mercedes Vito mit getönten Scheiben entstiegen. Vermutlich gelenkt von der Mutter einer der drei Fußlahmen. Der Kleinste unter ihnen griff auf dem kurzen Weg zu unserem Eigenheim unter seine wehende Kutte und zog ein blinkendes Smartphone hervor. Ich nehme an, dass in Ermangelung des Sterns von Bethlehem er auf diese Weise den richtigen Weg checkte. Sein schwarz gefärbter Kollege schob sich auf die Schnelle noch die Reste einer „Milchschnitte“ rein. „Hoffentlich b ekommt der Jüngling wegen des hohen Milchanteils keinen Schorf“, war mein erster Gedanke. Nach dem Klingeln und bei näherem Hinsehen erkannte ich, dass er andere Hautprobleme hatte. Der Gefärbte kratzte sich fortwährend die feiste Backe, die in den Ausmaßen konform zu den anderen, tieferliegenden Backen seines Körpers schien. Auf den freigelegten helleren Stellen bildeten sich bereits Pusteln und Pickel. Anscheinend war da nichts dermatologisch getestet.
Ehe ich den Gedanken vertiefen konnte, legten sie los und leierten ihren Spruch emotionslos und ohne jegliche Betonung herunter. Wenn schon die Inbrunst fehlt, dann hätte wenigstens ein monotoner Sternsinger-Rap in Anlehnung an Bushido zum Auftritt gepasst. Dann hätte ich das Trio auch gleich für den Integrations-Bambi vorgeschlagen. Aber die kirchlich organisierte Drückerkolonne war in Eile. Vielleicht bestanden vom Controlling Vorgaben, wie lange der Aufenthalt pro Haustür zu dauern hatte.
Nichtsdestotrotz habe ich sie gebeten, noch in Hannover bei einem hypothekenbelasteten Einfamilienhaus vorbeizuschauen, damit sie dem dort wohnenden Oberhaupt, wenn nicht gerade in Schloss Bellevue weilend, mit geweihter Kreide ihre Schutzformel C + B + M 2012 hinterlassen.
Ehe ich den Gedanken vertiefen konnte, legten sie los und leierten ihren Spruch emotionslos und ohne jegliche Betonung herunter. Wenn schon die Inbrunst fehlt, dann hätte wenigstens ein monotoner Sternsinger-Rap in Anlehnung an Bushido zum Auftritt gepasst. Dann hätte ich das Trio auch gleich für den Integrations-Bambi vorgeschlagen. Aber die kirchlich organisierte Drückerkolonne war in Eile. Vielleicht bestanden vom Controlling Vorgaben, wie lange der Aufenthalt pro Haustür zu dauern hatte.
Nichtsdestotrotz habe ich sie gebeten, noch in Hannover bei einem hypothekenbelasteten Einfamilienhaus vorbeizuschauen, damit sie dem dort wohnenden Oberhaupt, wenn nicht gerade in Schloss Bellevue weilend, mit geweihter Kreide ihre Schutzformel C + B + M 2012 hinterlassen.
Bild: Wenn’s hilft: Schutzformel für Hausherrn und ihre Kreditgeber.










