Mittwoch, 23. Mai 2012
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Drucksache

Bloß nicht an den eigenen Vorteil denken

Die Angst geht um, als raffgieriger Politiker dargestellt zu werden.
Text: Dieter Druck, 10. Februar 2012
Das darf nicht wahr sein! Es kann mir einer sagen, was er will: Die Nerven liegen blank bei unseren Volksvertretern. Da demoliert Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke (SPD) – fragen Sie mal in einer Fußgängerzone, wem dieser Name in dieser Funktion geläufig ist – im Urlaub seinen Dienstwagen in einer Rostocker Hotelgarage und schickt postwendend über die Deutsche Presseagentur eine Bestätigung des Vorganges nebst detaillierter Unfall- und Schadensbeschreibung. Die private Nutzung des Audi A 8 in der arbeitsfreien Zeit war übrigens rechtens. Man ist ja schließlich Mensch und hat Anrecht auf bezahlten und unbezahlten Urlaub – nicht wahr Herr W.? Nicht zu vergessen, dass Rostock nicht zu den karibischen Inseln zählt. Das allein dokumentiert schon Bescheidenheit. Die 4.000 Euro zur Schadensbegleichung sollen voraussichtlich aus eigener Tasche bezahlt werden, so ein Minister-Sprecher, allenfalls über die Versicherung. Mein Tipp: ausnahmsweise mal selber zahlen, wird in diesen Zeiten besonders gerne von der zahlenden Bevölkerung gesehen. Und der nächste Wahlkampf kommt bestimmt. Außerdem passt es gut zur sozialistischen Gesinnung des Genossen. Er hat ja nur das volkseigene Auto, nicht „sein Amt beschädigt“.

Ich kann die moralinsaure Floskel nicht mehr hören. Aber wir wissen nicht, wie sich Herr W. hier verhalten hätte. Der wurde jetzt, ich weiß nicht zum wievielten Mal als allzu empfänglich entwürdigt. Hat er nicht verdient! Läuft nicht noch die Probezeit, oder war es die Bewährungszeit? Jedenfalls auch in der Causa W. ging es um einen Audi, allerdings um eine andere Größenordnung (Q3). Das verlangt das Amt, auch wenn es beschädigt ist. Dabei war das Ganze nur eine etwas längere Probefahrt, angeblich über ein halbes Jahr. Und das mit einem nicht ausgereiften Vorserienmodell. Soll sich aufregen, wer will. Aber als profunde Tester könnte die Familie sich ein zusätzliches Standbein schaffen. Flugreisen, Urlaubdomizile, Eigenheime, Fortbewegungsmittel, biografis che Bücher – das Testpotenzial wäre nahezu unerschöpflich.

Bild: Bei einem solchen Schadensbild gibt es nichts zu beschönigen.

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